Flecktarn – offiziell „Fünffarb-Tarndruck der Bundeswehr" – ist seit Anfang der 1990er-Jahre das Standard-Tarnmuster der deutschen Streitkräfte. Die fünf Farben Dunkelgrün, Braun, Helloliv, Hellgrün und Schwarz sind in unregelmäßigen Flecken angeordnet und wurden gezielt für den europäischen Mischwald entwickelt. Bis 2029 wird Flecktarn schrittweise durch das neue Multitarn ersetzt – für zivile Nutzer bleibt es aber auf Jahre hinaus eines der verfügbarsten und günstigsten Tarnmuster überhaupt.
Was ist Flecktarn? Farben und Wirkprinzip
Der Name sagt bereits, worum es geht: Fleck + Tarnung. Kleine, unregelmäßig verteilte und teils überlappende Farbflecken lösen die Konturen des Trägers optisch auf. Das Auge des Beobachters findet keine zusammenhängende Silhouette mehr – die Person verschmilzt mit dem Hintergrund aus Laub, Ästen und Schatten.
Die Farbverteilung ist präzise festgelegt: 35 % Dunkelgrün, je 20 % Braun und Helloliv, 15 % Hellgrün und 10 % Schwarz. Diese Mischung bildet das Farbspektrum des mitteleuropäischen Mischwaldes ab – genau das Gelände, für das der Verteidigungsauftrag der Bundeswehr im Kalten Krieg ausgelegt war. Bis zur Jahrtausendwende galt Flecktarn in NATO-Vergleichen als Maßstab für Tarnwirkung im bewaldeten Gelände.
Die Geschichte: Vom Truppenversuch 76 zum Feldanzug 90
Das Grundprinzip fleckenbasierter Tarnmuster wurde bereits in den 1930er-Jahren in Deutschland entwickelt – ein historisch belastetes Kapitel, auf dessen Formensprache spätere Entwürfe dennoch erkennbar aufbauen. Die Bundeswehr selbst trug in ihren ersten Jahrzehnten überwiegend einfarbiges Oliv. Der Weg zum heutigen Flecktarn verlief in mehreren Etappen:
Die Bundeswehr testet mehrere Fünffarb-Muster, darunter Sägezahnmuster, Punktmuster und drei Flecktarn-Varianten (A klein, B groß, C). Flecktarn B (groß) erzielt die beste Tarnwirkung in Mitteleuropa.
Aus finanziellen und politischen Gründen wird der Sieger des Truppenversuchs zunächst nicht beschafft – die Truppe trägt weiter Oliv.
Flecktarn B kehrt als Teil der Versuchsreihe „Kampfanzug 90" zurück und setzt sich endgültig durch.
Der Feldanzug 90 im Fünffarb-Tarndruck wird eingeführt; die verbandsweise Ausgabe beginnt Anfang 1991. Flecktarn wird zum Erkennungszeichen der Bundeswehr.
Kaum bekannt: Das Muster wurde über die Jahre mehrfach farblich überarbeitet, um auch im Nahinfrarot (NIR) – also gegenüber Nachtsichttechnik – zu bestehen.
Die Flecktarn-Varianten: 5-Farb, Tropentarn und Schneetarn
Fünffarb-Tarndruck – der Standard
Die Basisversion für gemäßigte, bewachsene Regionen. Sie findet sich auf Feldanzügen, Tarnhosen, Rucksäcken, Koppeltragesystemen und praktisch jedem Ausrüstungsgegenstand der Bundeswehr der letzten drei Jahrzehnte.
Dreifarb-Tarndruck – „Tropentarn"
Für den Somalia-Einsatz 1993/94 entwickelte die Bundeswehr eine helle Variante aus Beige, Olivgrün und Braun für trockene Steppengebiete mit Restbewuchs. Das Fleckenmuster ist identisch – nur die Farben unterscheiden sich. Später kam sie in Afghanistan und anderen Einsatzgebieten großflächig zum Einsatz.
Alle drei Begriffe meinen im allgemeinen Sprachgebrauch dasselbe Muster – korrekt ist die Bundeswehr-Bezeichnung Dreifarb-Tarndruck. Selbst Fachquellen verwenden die Namen uneinheitlich. Beim Kauf von Surplus-Ware lohnt sich daher der Blick auf das Muster selbst statt auf die Produktbezeichnung.
Schneetarn – der Winterklassiker
Bereits in den 1960er-Jahren zunächst für die Gebirgsjäger eingeführt: grüne, nadelartige Flecken auf weißem Grund. Das Muster gilt bis heute als eines der wirksamsten Wintermuster und wurde international vielfach kopiert – und ist streng genommen älter als das Flecktarn selbst.
Flecktarn international: Kopien und Ableger
Kaum ein Tarnmuster wurde so oft übernommen wie das deutsche Flecktarn. Manche Länder lizenzierten und passten es an, andere kopierten es schlicht:
| Muster / Land | Jahr | Besonderheit |
|---|---|---|
| M/84 – Dänemark | 1984 | Auf 3 Farben reduziert, an skandinavische Wälder angepasst; erste Tests (T/78) schon 1978 |
| Belgische Luftwaffe | 1988–2000 | Nutzte das unveränderte Flecktarn B – rund drei Jahre vor der Bundeswehr selbst |
| Jietai – Japan | 1991 | Eigene Interpretation mit Khaki-Grundton für die Selbstverteidigungsstreitkräfte |
| China (Volksbefreiungsarmee) | ab ca. 2000er | Direkte Kopie des Bundeswehr-Musters, u. a. bei Gebirgstruppen – gilt als Plagiat |
| Flectar / Flectar-D – Russland | ab ca. 2005 | Kopien des deutschen bzw. dänischen Musters bei einzelnen Einheiten |
| Polen (Polizeieinheiten) | 1990er | Flecktarn-inspirierte Muster bei Spezialeinheiten der Polizei |
Dass die Bundeswehr – anders als beim neuen Multitarn – die Rechte am Flecktarn nie konsequent schützte, hat eine Kehrseite mit Vorteil für Zivilkäufer: Das Muster ist frei produzierbar, und entsprechend groß ist das Angebot an Bekleidung und Ausrüstung in Originaloptik.
Wird Flecktarn abgeschafft?
Ja – bei der Bundeswehr. 2025 hat das Verteidigungsministerium entschieden, Flecktarn zwischen 2026 und 2029 truppenweit durch das sechsfarbige Multitarn zu ersetzen. Was das im Detail bedeutet, haben wir in einem eigenen Ratgeber zusammengefasst: Multitarn – das neue Tarnmuster der Bundeswehr.
Für zivile Nutzer ändert sich rechtlich nichts: Besitz und Tragen von Flecktarn bleiben in Deutschland erlaubt. Praktisch dürfte die Umstellung den Markt sogar beleben – mit der Aussonderung von Beständen wächst das Angebot an originaler Surplus-Ware, und die Preise für gut erhaltene Feldanzüge, Hosen und Ausrüstung dürften eher fallen.
Bei gebrauchter Bundeswehr-Ware auf den Zustand („neuwertig", „gebraucht") und vollständige Reißverschlüsse und Knöpfe achten. Originalware erkennt man an der eingedruckten Versorgungsnummer und dem Innenetikett – ein Vorteil gegenüber No-Name-Nachdrucken, deren Farben im NIR-Bereich oft schlechter abschneiden.
Für wen ist Flecktarn heute die richtige Wahl?
Auch nach über 30 Jahren ist Flecktarn im deutschen Mischwald kaum zu schlagen – und durch die riesige Verfügbarkeit unschlagbar im Preis-Leistungs-Verhältnis:
- Airsoft und Reenactment: Der Klassiker für jedes Bundeswehr-Loadout; Ersatzteile und Ergänzungen sind jederzeit günstig verfügbar.
- Bushcraft und Outdoor: Wer sich in heimischen Wäldern unauffällig bewegen will – etwa zur Naturbeobachtung oder Tierfotografie – bekommt hier maximale Tarnwirkung fürs Geld.
- Sammler: Mit den Varianten, Iterationen und internationalen Ablegern bietet die Flecktarn-Familie ein eigenes Sammelgebiet.
- Krisenvorsorge: Robuste, erprobte und günstige Ausrüstung in einem einheitlichen Muster – vom Poncho bis zum Rucksack.
Eine große Auswahl an Bekleidung und Ausrüstung im Bundeswehr-Muster finden Sie in unserer Kategorie Flecktarn-Tarnung – von Feldhosen über Jacken bis zu Rucksäcken und Zubehör.
- Feldanzüge, Hosen und Jacken in 5-Farb- und Tropentarn
- Original-Surplus mit Versorgungsnummer
- Rucksäcke und Zubehör im passenden Muster
Wie sich Flecktarn im Vergleich zu MultiCam, Woodland und anderen Mustern schlägt, zeigt unser großer Überblick: "Tarnmuster im Überblick: Die wichtigsten Camouflage-Muster der Welt". Ein Blick lohnt sich besonders, wenn Sie zwischen mehreren Mustern schwanken.
Häufige Fragen zu Flecktarn
Seit wann nutzt die Bundeswehr Flecktarn?
Das Muster gewann bereits den Truppenversuch 1976, wurde aber erst mit dem Feldanzug 90 eingeführt – die verbandsweise Ausgabe an die Truppe begann Anfang 1991. Seitdem ist der Fünffarb-Tarndruck das Standardmuster aller Teilstreitkräfte.
Was ist der Unterschied zwischen Tropentarn und Wüstentarn?
Im Alltag werden beide Begriffe für dasselbe Muster verwendet: den hellen Dreifarb-Tarndruck der Bundeswehr aus Beige, Olivgrün und Braun. Offiziell korrekt ist „Dreifarb-Tarndruck". Das Fleckenmuster ist mit dem klassischen Flecktarn identisch, nur die Farbgebung ist an trockene Regionen angepasst.
Bleibt Flecktarn legal, wenn Multitarn kommt?
Ja. Die Umstellung der Bundeswehr auf Multitarn ändert nichts an der Rechtslage für Zivilpersonen: Kauf, Besitz und Tragen von Flecktarn bleiben in Deutschland erlaubt. Anders als Multitarn ist das Muster nicht geschützt und darf frei produziert werden – daher das große Angebot.
Welche Länder nutzen Flecktarn oder Ableger davon?
Dänemark (M/84), Japan (Jietai) und zeitweise Belgien führten eigene Varianten ein; China und Teile russischer Einheiten nutzen Kopien des deutschen Musters. Damit gehört Flecktarn neben Woodland und DPM zu den einflussreichsten Tarnmustern der Welt.
Ist Flecktarn für Airsoft und Bushcraft geeignet?
Sehr gut sogar: Für den mitteleuropäischen Mischwald wurde das Muster entwickelt, und dank riesiger Surplus-Bestände ist komplette Ausrüstung günstiger zu bekommen als in fast jedem anderen Muster. Für offenes oder urbanes Gelände sind universelle Muster wie MultiCam die bessere Wahl.







