Die Bundeswehr ersetzt ihr traditionelles Flecktarn durch Multitarn: Seit 2026 wird persönliche Ausrüstung und Bekleidung querschnittlich im neuen sechsfarbigen Tarndruck beschafft, bis 2028/2029 soll die gesamte Truppe – ausgelegt auf rund 460.000 Soldatinnen und Soldaten – umgestellt sein. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was hinter dem Wechsel steckt, wie der Zeitplan aussieht und was das Ganze für zivile Nutzer und Sammler bedeutet.
Was ist Multitarn?
Multitarn (offiziell: Multitarndruck) ist ein Sechsfarben-Tarnmuster, das vom Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) der Bundeswehr entwickelt wurde. Die Erprobung begann Anfang der 2010er Jahre, erste Prototypen wurden 2016 öffentlich bekannt. Das Muster basiert auf der Flecktarn-Familie, nutzt aber eine breitere Palette: Hell- und Dunkelgrün für Vegetation, Braun und Beige für erdige Flächen sowie Grau- und helle Töne für urbane und felsige Umgebungen. Auf tiefes Schwarz wird verzichtet – das Gesamtbild wirkt dadurch deutlich heller als beim klassischen Flecktarn.
Anders als Flecktarn, das mit dem Fünf-Farben-Druck für den europäischen Mischwald und dem Drei-Farben-Tropentarn für aride Regionen zwei getrennte Varianten benötigt, ist Multitarn als ein universelles Muster für alle Einsatzräume konzipiert. Es ersetzt beide Vorgänger gleichzeitig – separate Wüsten- oder Schneevarianten sind nicht vorgesehen.
Ein Multi-Tarndruck ist nicht das beste Muster in möglichst vielen Einsatzumgebungen, sondern in möglichst vielen Einsatzumgebungen nicht das Schlechteste.
Warum ersetzt die Bundeswehr das Flecktarn?
Flecktarn stößt an seine Grenzen
Der Fünf-Farben-Tarndruck – eingeführt Anfang der 1990er Jahre mit dem Feldanzugsystem 90 – wurde für den mitteleuropäischen Mischwald optimiert. Seine Farbverteilung: 35 Prozent Dunkelgrün, je 20 Prozent Braun und Helloliv, 15 Prozent Hellgrün und 10 Prozent Schwarz. Im dichten Grün funktioniert das hervorragend. Doch moderne Gefechte finden zunehmend in und um urbane Räume statt – und dort wirkt Flecktarn zu dunkel und zu kontrastreich. Auch in der Steppe oder auf durch Kampfhandlungen verwüstetem Gelände verliert das Muster seine Wirkung.
Urbane Räume, moderne Sensorik, einheitliche Truppe
Studien des WIWeB zeigen, dass Multitarn gerade in bebauten und gemischten Geländeformen zuverlässiger tarnt als der Fünf-Farben-Druck. Hinzu kommt: Das Muster ist für den Einsatz unter Nachtsichttechnik optimiert und weist eine angepasste Infrarot-Signatur auf. Ein dritter Grund ist taktischer Natur – solange nur Spezialkräfte wie das KSK Multitarn trugen, waren sie im Verbund mit regulären Einheiten allein am Tarnmuster als Elitesoldaten identifizierbar. Die einheitliche Ausstattung beseitigt dieses Sicherheitsrisiko.
Der Zeitplan: So läuft die Umstellung auf Multitarn
Das Wehrwissenschaftliche Institut entwickelt und testet ein universelles Muster für Wald, offenes Gelände und urbane Räume. Die Erprobung beginnt um 2012.
KSK und Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM) erhalten als erste Einheiten Ausrüstung im Multitarndruck – zunächst für Auslandseinsätze und missionsspezifische Aufgaben.
Nach jahrelangem internem Ringen gibt das Verteidigungsministerium seine ablehnende Haltung auf und beschließt die flächendeckende Einführung für die gesamte Bundeswehr.
Persönliche Ausrüstung und Bekleidung werden querschnittlich in Multitarn beschafft – unter anderem im Rahmen des Beschaffungsprojekts FASER (2026–2034).
Die flächendeckende Umstellung aller Soldatinnen und Soldaten – Heer, Luftwaffe, Marine und Unterstützungsbereiche – soll bis Ende 2029 abgeschlossen sein.
Multitarn, Flecktarn oder MultiCam – wo liegen die Unterschiede?
Multitarn wird oft als „deutsches MultiCam" bezeichnet – ganz zutreffend ist das nicht. Das amerikanische MultiCam von Crye Precision arbeitet mit fließenden Farbverläufen innerhalb des Musters, während Multitarn bei der klar getrennten Fleckstruktur der Flecktarn-Familie bleibt und lediglich die Farbpalette erweitert. Die wichtigsten Eckdaten im Vergleich:
| Merkmal | Flecktarn (5-Farb) | Multitarn | MultiCam |
|---|---|---|---|
| Farben | 5 (inkl. Schwarz) | 6 (ohne Schwarz) | 7 mit Farbverläufen |
| Herkunft | Bundeswehr, Anfang der 1990er | Bundeswehr / WIWeB, 2016 | Crye Precision (USA) |
| Optimiert für | Europäischer Mischwald | Universell: Wald, urban, offenes Gelände | Universell, weltweit verbreitet |
| Struktur | Klar getrennte Flecken | Klar getrennte Flecken, feinere Elemente | Fließende Farbverläufe |
| Zivile Verfügbarkeit | Frei erhältlich (Original und Repliken) | Stark eingeschränkt, Rechte beim Bund | Frei erhältlich, viele Lizenzprodukte |
Kann man Multitarn kaufen?
Hier unterscheidet sich Multitarn deutlich von seinem Vorgänger: Die Rechte am Muster liegen beim Bund. Als Eigenentwicklung der Bundeswehr wird die Produktion über autorisierte Vertragspartner kontrolliert – ein bewusster Schritt, um unautorisierte Kopien zu verhindern, wie sie beim frei kopierten Flecktarn massenhaft entstanden sind. Für Privatkunden ist original Multitarn-Ausrüstung daher kaum legal erhältlich.
Wer die Optik und Tarnleistung eines modernen Universalmusters sucht, greift zu frei verfügbaren Alternativen: MultiCam und dessen Varianten (Black, Tropic, Arid) sind zivil uneingeschränkt erhältlich und werden von zahlreichen Herstellern wie Helikon-Tex, UF Pro oder Mil-Tec verarbeitet.
Eine große Auswahl an Tarnbekleidung in allen bewährten Tarnmustern – vom klassischen Flecktarn bis zu MultiCam-Bekleidung und -Ausrüstung – finden Sie im MILITARY Sortiment mit über 1.100 Marken.
- Hosen, Jacken und Combat Shirts in MultiCam
- Rucksäcke und Ausrüstung mit MOLLE-System
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Was passiert mit Flecktarn?
Für zivile Nutzer ist der Wechsel eine gute Nachricht. Flecktarn bleibt eines der bewährtesten Muster für den europäischen Mischwald – daran ändert die Umstellung nichts. Mit der schrittweisen Aussonderung der Bundeswehr-Bestände dürfte in den kommenden Jahren zudem deutlich mehr originale Flecktarn-Ausrüstung auf den Surplus-Markt gelangen: Feldblusen, Hosen, Rucksäcke und Zubehör aus Beständen der Truppe. Für Bushcrafter, Jäger und Sammler eröffnet das attraktive Möglichkeiten zu günstigen Preisen.
Original-Bundeswehrbestände erkennen Sie an der Versorgungsnummer und dem eingedruckten Abnahmestempel. Gut erhaltene Surplus-Ware bietet Originalqualität zum Bruchteil des Neupreises – gerade bei robusten Klassikern wie Feldhosen und Parkas.
Häufige Fragen zum Multitarn der Bundeswehr
Wann bekommt die Bundeswehr Multitarn?
Die querschnittliche Beschaffung von Ausrüstung und Bekleidung im Multitarndruck läuft seit 2026. Die flächendeckende Umrüstung aller Soldatinnen und Soldaten ist für 2028 und 2029 vorgesehen – bis Ende 2029 soll die gesamte Truppe einheitlich im neuen Muster ausgestattet sein.
Kann man Multitarn als Privatperson kaufen?
Praktisch kaum. Die Rechte am Multitarndruck liegen beim Bund, die Produktion ist auf autorisierte Vertragspartner der Bundeswehr beschränkt. Frei erhältliche Alternativen mit vergleichbarem Einsatzspektrum sind MultiCam und dessen Varianten, die von vielen zivilen Herstellern verarbeitet werden.
Was ist der Unterschied zwischen Multitarn und MultiCam?
Beide sind universelle Mehrbereichsmuster – aber unterschiedlich aufgebaut. MultiCam (Crye Precision, USA) arbeitet mit fließenden Farbverläufen, Multitarn behält die klar getrennten Flecken der deutschen Flecktarn-Familie bei und nutzt sechs Farbtöne ohne Schwarz. Multitarn ist zudem rechtlich geschützt, MultiCam frei erhältlich.
Warum wird Flecktarn ersetzt?
Flecktarn wurde für den europäischen Mischwald entwickelt und wirkt in urbanen Räumen zu dunkel und zu kontrastreich. Multitarn tarnt laut WIWeB-Studien in bebauten und gemischten Umgebungen besser, ist für Nachtsichttechnik optimiert und beendet die Sonderrolle der Spezialkräfte, die bislang allein am Muster erkennbar waren.
Was passiert mit der Flecktarn-Ausrüstung der Bundeswehr?
Die Bestände werden im Zuge der Umstellung schrittweise ersetzt. Erfahrungsgemäß gelangt ausgesonderte Ausrüstung über den Surplus-Handel in den zivilen Markt – für Outdoor-Nutzer und Sammler eine Gelegenheit, an originale Bundeswehr-Qualität zu kommen.







